[linux-l] Sozalabbau (war: "Die Windows-Hölle")

Steffen Dettmer steffen at dett.de
So Aug 27 13:43:04 CEST 2006


* Frank Lehmann wrote on Fri, Aug 25, 2006 at 19:13 +0200:
> Die Fleischerinnungen haben auch erst zwei Drittel Ihrer
> Lehrlingsstellen besetzt in Brandenburg. Komisch, oder? Es gibt
> tatsächlich Unternehmen, die Leute suchen.

Meiner Meinung darf man "offene Stellen" (gerade Lehrlingsstellen oder
Praktikumsplätze) nicht überbewerten.

Vor Jahren gab's mal den .com hype. Es wurden angeblich IT-Fachkräfte an
allen Ecken und Enden gesucht. Der damalige Gewinner der Goldenen
Flachzange hatte die Idee, Inder nach Deutschland zu holen, die 100k DEM
verdienen sollen (und damit ja Steuern zahlen und alles sei fein).

Angeblich haben damals ganz viele Leute gefehlt. Es gab viele Announcen
in Zeitungen und überhaupt. Es wirkte wirklich echt (für einen jungen
Menschen wie mich damals - und natürlich für die Gewinner der Goldenen
Flachzange, aber die /wollen/ ja glauben).

Ich wurde zu vielen Bewerbungsgesprächen eingeladen, wo mein Profil
stimmte und alles hat gepasst - nur, dass man mich nicht bezahlen
wollte/konnte. Es gab da Firmen, die schrieben drei (verschiedene)
Admin-Stellen aus und hatten insgesammt das Budget für eine Sekretärin.
Am Ende hab ich dann über "Beziehungen" was gefunden (weil ich jemand
kannte, der jemand kannte, der jemand suchte).

Solche "offenen Stellen" wird man immer "haben". Die darf man aber nicht
zählen. Viele Firmen könnten für 350 EUR / Monat weitere
hochqualifizierte Vollzeitkräfte beschäftigen. Das sind aber keine
"offenen Stellen" sondern "offene Tagträume". Die werden vielleicht aus
rein (firmen-)politischen Gründen ausgeschrieben. Manchmal wird sowas
von Praktikanten oder Trainees besetzt. Das funktioniert aber nur, wenn
jemand anders den "Rest" bezahlt. Entweder der Staat als Förderung oder
der Trainee/Praktikant, weil ihm die "Referenz Erfahrung" das wert ist.

Aus Sicht der Marktwirtschaft könnte das ganz einfach laufen: die Leute
werden in eine "Wohnung gesperrt" und mit Fernsehdrogen runtergehalten.
Bei Bedarf holt man sie zur Arbeit ab. Geld braucht man da eigentlich
gar nicht. Auch Sozialleistungen sind nicht wirtschaftlich, sie erhalten
ja in erster Linien Überkapazität, die man eigentlich gar nicht braucht.

Meiner Meinung nach darf man daher keine reine Marktwirtschaft machen.
Der Staat muss halt Grenzen definieren. Ein Problem ist aber, dass die
Wirtschaft angekurbelt wird, wenn man diese mehr und mehr aufweicht.
Strategisch sicherlich falsch/unmenschlich, taktisch aber "richtig".
Genau wie die Privatisierungen. Bringt taktisch auf einen Schlag einen
Haufen Kohle. Strategisch kostet es sehr viel Geld. Verschuldung ist
genau das gleiche. Jede Hausfrau würde für Dauerstreit sorgen, wenn ein
Grossteil der Einkommens zur Bezahlung von Zinsen aufgebracht werden
müsste (und die bezahlten Projekte dann Tiefgaragen ohne Einfahrt und
sowas wären), beim Bundeshaushalt ist man schon so gewohnt, dass er
verfassungswidrig ist, dass es schon wieder keinen mehr interessiert.

Klingt komisch, ist aber so. :-)

oki,

Steffen

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